Psychische Gewalt

Psychische Gewalt – oder auch seelische bzw. emotionale Gewalt – ist eine Gewaltform, die überwiegend verbal ausgeübt wird. Es beschreibt eine Vielzahl von Verhaltensweisen, Strategien und Handlungen wie z.B. Bedrohungen, Stalking, Demütigung oder Beleidigungen und sind immer mit der Ausübung von Macht, Kontrolle und Privilegien verbunden. Psychischer Gewalt zielt insbesondere auf die emotionale Schädigung einer Person ab und diese gleichzeitig zu verun-sichern, verletzen oder gar zu isolieren.

Psychische Gewalt wird überwiegend von Männern* aus dem Nahfeld, sprich (Ex-)Partnern* oder Verwandten ausgeübt. Nach einer kriminalstatistischen Aus-wertung zu Partnerschaftsgewalt des Bundeskriminalamtes, wurden 2018 28.700 Fälle von Bedrohung, Stalking und Nötigung erfasst, in denen Frauen* betroffen waren. An dieser Stelle ist anzumerken, dass diese Zahl lediglich das Hellfeld, sprich die angezeigten Fälle, beschreibt. Die Dunkelziffer ist vermutlich um ein Vielfaches höher.

Auch Kinder können neben anderen Arten der Gewalt, auch Betroffene von psychischer Gewalt sein. Diese äußert u.a. als Ablehnung der Erziehungsbe-rechtigten, Liebesentzug das Erzeugen von Schuldgefühlen oder auch als Mobbing in Schulen und anderen Einrichtungen.

"Was ist psychische Gewalt?" in leichter und deutscher Gebärdensprache

Gerne machen wir in dieser Stelle auf das Projekt „Wege aus der Gewalt“, ein digitales Hilfeangebot für Frauen* mit und ohne Behinderung des Paritätischen in Bayern, aufmerksam. Dort finden sich Informationen zu „Was ist psychische Gewalt?“ in Gebärden- und leichter Sprache.

 

 

Nach einer Studie von 2004 zufolge, hat fast jede zweite Frau* in Deutschland bereits psychische Gewalt erlebt.

  • Anzahl der Frauen* in Deutschland, die mindestens 1. Mal in ihrem Leben psychische Gewalt erlebt haben 42% 42%

Psychische Gewalt - die unsichtbare Gewalt?

Formen und Merkmale psychischer Gewalt

Trigger-Warnung! (Es folgen explizite Benennungen)
  • Einschüchterungen
  • aggressives Anschreien und Beschimpfen
  • Verleumdungen
  • Drohungen und Nötigung
  • Demütigungen und permanente Abwertung
  • Schuldzuweisungen
  • bewusstes Ignorieren
  • Psychoterror
  • Kontrolle und Sabotage der sozialen Kontakte
  • Isolation (Kontakt- und Telefonverbot sowie Verbot das Haus/die Wohnung zu verlassen)
  • Ein- und Aussperren (innerhalb und außerhalb der Wohnung)
  • absichtliches Verletzen, Kränken und Lustig machen
  • Liebesentzug
  • Missachtung und/oder Kontrolle der Privatsphäre
  • Verbreitung von Gerüchten
  • Belästigungen
  • (emotionale) Erpressung
  • Verleumdungen, Rufmord und bewusste Falschaussagen

Die Folgen von psychischer Gewalt erleiden häufig nicht nur die betroffene Person selbst, sondern auch das soziale Umfeld und können sehr massiv sein. Das Erleben von psychischer Gewalt kann sich auf das Selbstwertgefühl und die psychische Verfassung auswirken. Häufige Folgen sind: Schlafstörungen, Ängste, Depressionen, Essstörungen bis hin zum suizidalen Verhalten. Besonders schwerwiegend können die Folgen sein, wenn das soziale Netz durch die Isolationen etc. verloren gegangen ist.

Die Form der psychischen Gewalt, welche hier erläutert wird, meint nicht die kurzfristige oder einmalige Reaktion (beispielsweise in einem Streit).

Es geht vielmehr um die kontinuierliche Ausübung von Macht, Kontrolle und Dominanz!

Info-Box zur Strafbarkeit

Psychische Gewalt hat viele Facetten und kann daher von verschiedenen Straftatbeständen erfasst sein.

In Betracht kommen zum Beispiel:

  • Nötigung nach § 240 StGB
  • Bedrohung nach § 241 StGB
  • Erpressung nach § 253 StGB
  • Nachstellung gemäß § 238 StGB
  • Beleidigung nach § 185 StGB
  • oder die Üble Nachrede gemäß §186 StGB.

Psychische Gewalt ist deutlich schwerer nachzuweisen als Körperliche Gewalt. Daher ist es unbedingt ratsam Beweise in Form von Chatverläufen, Emails, Gedächtnisprotokollen wie Tagebucheinträgen zu sammeln oder Zeug:innen von Beleidigungen und Herabwürdigungen zu haben.